Deutsche Literatur
Älteste germanische Dichtungen sind uns leider verloren.

Nachklänge und Reste in der altnordischen Literatur (Edda, die ältere). Germanische Heldenlieder unter Karl des Großen gesammelt; später von Ludwig des Frommen als Heidenwerk vernichtet.

4. Jh.   Gotische Bibelübersetzung des Westgotenbischofs Ulfilas, der sogenannte codex argenteus

6. Jh.   Überlieferungen literarischer Zeugnisse außerordentlich spärlich, Preislieder und Heldenlieder weit verbreitet durch Skopen und Skalden (Hofdichter). Weitergabe nur in mündlicher Form von Generation zu Generation.

8. Jh.   von 2 Fuldaer Mönchen aufgezeichnete Bruchstück eines Heldenliedes (Hildebrandslied), einzig erhaltenes Bruchstück der umfangreichen Literatur an Heldenliedern, Sprache ist althochdeutsch, Form Stabreim, Gesinnung heidnisch.

9. Jh.   Geistliche Dichtung: der mit ca. 6000 Stabreimen umfassende Heliand, niederdeutsch (Christus als germanischer Heerkönig), Evangelienbuch (Evangelienharmonie) des Elsässers Otfried von Weißenburg, mit Endreim. Letzte heidnische Reste im Weltuntergangsgedicht Muspilli, Wessobrunner Gebet oder auch Hymnus, Merseburger Zaubersprüche. Das Ludwigslied in Form eines Preisliedes. Anfänge deutscher Geschichtsschreibung (Einhart, Leben über Karl des Großen).

10. und 11. Jh.   Mönchsdichtung: von Mönchen vorwiegend in lateinischer Sprache. Waltharilied (Walthariusepos, Waltharius manu fortis - lat. Walther mit der starken Hand) über die Flucht Walthers und seiner Verlobten Hildegunde aus hunnischer Gefangenschaft, Verfasserschaft Ekkehard I. von St. Gallen? Buchdramen der Roswitha von Gaudersheim (die Nonne Hrotswitha, die eine Biographie Otto I. und eine Klostergeschichte verfaßt), weben kunstreicher Gewänder und Tapeten, in deutscher Sprache das aus dem Sagenkreise Karls des Großen angehörige Rolandslied des Pfaffen Konrad, Roman Ruodlieb; Anfänge des Tierepos (die Ecbasis cuiusdam captivi per tropologiam), Volkssagen "Herzog Ernst" und "König Rother", nach einem "welschen Gedichte" verfaßte der Pfaffe Lamprecht das Alexanderlied, Vagantenpoesie der fahrenden Kleriker: Carmina burana. Sämtliche in lateinischer Sprache. Spielleute (volkstümliche Spielmannsdichtungen) sangen Märchen, Abenteuer- und Spottgeschichten in gereimten Versen (Endreimen) vor.

12. Jh.   Höfische Dichtung: die Ritter "Der von Kürenberg", Reinmar der Ältere (Minnesänger), Epen: Hartmann von Aue (Der Arme Heinrich), Heinrich von Verdeke (Eneit). Daneben Volkspoesie der fahrenden Spielleute.

13. Jh.   Blüte des Minnesangs: Walter von der Vogelweide, Epos: Wolframs von Eschenbach Parzival, Gottfrieds von Straßburg Tristan, endgültige Formen der großen Heldenlieder Nibelungen und Gudrun durch unbekannte Verfasser. Heinrich VI., Konradin, Wenzel von Böhmen u.a. (der "Wartburgkrieg" am Hofe Hermanns von Thüringen); Neidhart von Reuenthal (Dorfpoesie); Wernher der Gärtner, zeitkritische Bauernnovelle Meier Helmbrecht. Ausklang des Minnesangs: Oswald von Wolkenstein (bis Mitte 15. Jh.)

14. Jh.   Deutsche Mystik: schon im 13. Jh. Mechthild von Magdeburg; Meister Eckhart, Seuse, Tauler (Dominikaner zu Köln). Der Ackermann aus Böhmen, Bearbeitung des Tierepos in Nikolaus Baumanns "Reineke Vos", Geistliche Spiele.

15. Jh.   Bürgerliche Kunst: die Meistersinger (Barbier) und Rosenplüt (Büchsenmeister); der Advokat Sebastian Brant verfaßt das Narrenschiff. Erste Übersetzungen (Niklas von Wyle: Tranzlatzen). - Ausgestaltung der Passionsspiele, auch Weltliche Spiele. Anfänge des Dramas. Allegorische Erzählungen der Taten des Kaisers Maximillian I. in Prosa ist der "Weißkunig" von Max Treizsauerwein. Eine ebensolche seiner Brautwerbung in Versen ist der "Teuerdank" von Melchior Pfinzing.

16. Jh.   Reformationszeit: Das alte Volksmäßige Epos verlor sich gänzlich; auch das Kunstepos verschwand, und nur als Volksbücher erhielten sich demselben angehörige Sagen. Poetische Erzählungen vermehrten sich. Reuchlin, Hutten, Literatur der Humanisten (meist lateinisch). Mächtige Anregung für das deutsche Schriftentum durch Luthers Bibelübersetzung (vom Griechischen ins Deutsche 1522). Volkslied, Volksbücher (Sage von Johann Faust, Eulenspiegel, Schildbürger, Genovefa), Als Sammler von Sprichwörtern zeichnete sich Johann Bauer (Agricola) aus; Sebastian Frank schrieb die erste deutsche Weltgeschichte; Fastnachtspiele des Schusters Hans Sachs aus Nürnberg und sein schönes Kirchenlied "Warum betrübst du dich, mein Herz?" Als Satiriker zeichnete sich Thomas Murner aus (die Narrenbeschwörung, Schelmenzunft), höchstes Erzeugnis der Volkslyrik war das Kirchenlied; Drama: biblische Stoffe (Susanna, Verlorener Sohn); allegorische Themen (Jedermann). Frischlin, Herzog Heinrich Julius von Braunschweig (erste Wirkung Shakespeares, durch englische Komödianten). Johann Fischarts sprachgewaltige Umdichtung des Gargantua.

Fortsetzung folgt

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