Sprachentwicklung
Im 6. Jh. setzte sich die sogenannte hochdeutsche Lautverschiebung, die um die Wende vom 5. zum 6. Jh. höchstwahrscheinlich von Alamannien ihren Ausgang genommen hatten, im süddeutschen Gebirgsraum durch. Von hier aus breitete sie sich nach Norden aus, wobei jedoch allmählich ihre Ausstrahlungskraft (Mystik) schwand, so daß sie schließlich in Mitteldeutschland verebbte. Ihre Grenze entspricht etwa der Linie Aachen - Düsseldorf - Elberfeld -Aschersleben - Magdeburg.

Südlich dieser Linie wurde fortan hochdeutsch gesprochen, nördlich davon niederdeutsch. Die unterschiedliche Wirksamkeit der Lautverschiebung in den Gegenden des späteren Deutschlands trug zur Vertiefung ihrer sprachlichen Besonderheiten (Dialekte) bei.
Im Gebiet zwischen Rhein und Elbe/Saale gab es z.B. infolge dieser unterschiedlichen Wirksamkeit der Lautverschiebung deshalb im Frühmittelalter keine einheitliche deutsche Sprache, sondern verschiedene Mundarten.

Die sprachliche Uneinheitlichkeit innerhalb des deutschen Staates konnte erst nach vielen Jahrhunderten mit dem Sieg des Neuhochdeutschen überwunden werden. Für die Entwicklung der späteren deutschen Nationalsprache war im Frühmittelalter allein das aus der hochdeutschen Lautverschiebung hervorgegangene Althochdeutsch (ahd.), das gegen Ende des 8. Jh. Schriftsprache wurde, bedeutungsvoll. Die althochdeutsche Sprachperiode umfaßt etwa die Zeit von der Mitte des 8.Jhs. bis zum ausgehenden 11.Jh.

Mit der Entwicklung des Althochdeutschen und des Altfranzösischen machte die Sprachtrennung innerhalb des fränkischen Großreiches sichtbare Fortschritte. Das älteste Denkmal der endgültigen sprachlichen Trennung zwischen dem Ost- und dem westfränkischen Reichsteil sind die sogenannten "Straßburger Eide", als sich nämlich die Heere Karls des Kahlen und Ludwig des Deutschen zum Kampf gegen deren Bruder, Kaiser Lothar, im Februar 842 bei Straßburg vereinigten, leisteten die beiden Herrscher einen öffentlichen Bündniseid, und zwar jeweils in der Landessprache des anderen, damit dessen Heer sie verstehen konnte.

Der westfränkische Graf Nithard hat in seinen "Vier Büchern fränkische Geschichte" den Wortlaut dieses Eides in beiden Sprachen aufgezeichnet.
Wenn auch die deutsche Sprache im 10. Jh. und beginnenden 11.Jh. bis auf geringfügige Ausnahmen keinen schriftlichen Niederschlag gefunden hat, weil sowohl in der Geschichtsschreibung als auch in der Dichtkunst der herrschenden Klasse vorwiegend die lateinische Sprache verwendet wurde, so entwickelte sie sich doch auch in dieser Zeit im mündlichen Umgang weiter. Den Stand dieser Entwicklung zu Beginn des 11. Jhs. erhellt die gewaltige Arbeit des Mönches Notker Labeo (gest. 1022), des Leiters der St. Galler Klosterschule. Er übersetzte und kommentierte nämlich sowohl biblische Texte und römische Dichter, als auch Werke des Aristoteles und des Böethius.

Dabei vollbrachte er große Leistungen auf dem Gebiet der Grammatik und der Phonetik der deutschen Sprache, so daß er - obwohl sein Ziel im wesentlichen die Heranführung breiterer Kreise an die lateinische Sprache und nicht in erster Linie die Pflege der Deutschen Sprache war - mit Recht schon damals den Beinamen "der Deutsche" (Teutonicus) erhielt.

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