Dokumente der Zeitgeschichte aus der Industriestadt Chemnitz/Sachsen

Juvena, Chemnitz

Nach dem Weltkrieg I. arbeitete Herr Paul Rudolf Grasselt von 1919 bis Februar 1945 in Chemnitz in der Corsettschonerfabrik von Max Franck. In dem Zeitraum vom Februar 1945 wurden die Fabrikgebäude durch angloamerikanische Bomben zerstört.

Aus der Überlieferung der Zeitzeugen ist mir bekannt, daß Herr Franck ein guter Chef war und seine Mitarbeiter korrekt und sachlich behandelte – wie es eben sein sollte – gleichberechtigt als Menschen. Auch die Lohnzahlungen kamen in voller Höhe und pünktlich.

Mein Großvater hat sich dort 25 Jahre wohlgefühlt, und was den Verdienst betrifft, damit für seine Familie ordentlich sorgen können, auch gerade durch die Wirren der Weimarer Republik hindurch. Er war in dieser Zeit nie arbeitslos.

Dem Herrn Franck möchten wir mit unserer Dokumentation nachträglich für seine vorbildliche Unternehmerphilosophie unsere Achtung und Ehre aussprechen.

Was aus Herrn Franck nach dem Bombenabwurf auf seinen Betrieb geworden ist, wissen wir nicht. Vielleicht kann uns hier jemand weiterhelfen.

Bernd Schubert und daten-web.de

Eine kleine wahre Geschichte

In dem Zusammenhang hat sich noch eine Episode ereignet, welche von meiner Großmutter nur mündlich weitergegeben wurde, dafür jedoch öfters mir berichtet worden ist. Nun möchte ich diese an der Stelle kurz zum besten geben. Die Zeit ist einfach reif dafür.

Herr Franck hatte eines Tages einen runden Geburtstag (ich nehme an, es war der Fünfzigste). Da er gerne mal eine gute Zigarre rauchte, wurde in den oberen Etagen dafür gesammelt. Man ging in das Tabakgeschäft Bliedung in Chemnitz und kaufte eine gute Marke.

Am Ehrentag wurde diese dann Herrn Franck im Namen der gesamten Belegschaft überreicht, worauf er sich so sehr freute, daß mein Großvater von ihm gleich einen halben Monatslohn extra geschenkt bekommen hat. Dieses Ereignis war früher so ab und zu einmal Gesprächsthema bei uns zu Hause.

Nun haben wir natürlich ein Problem: Wie kann es denn sein, daß ein jüdischer Bürger und Chef seinen Angestellten und Werkmeister, welcher immerhin Inhaber eines lupenreinen Arierpasses war, ihn genau so und nicht anders behandelt?

Er war sicher kein Zionist. Nee, als Tier oder Goy hat er meinen Großvater nicht abgestempelt. Das machen nur die gottlosen Banausen und deren Vasallen. Vasall sein ist übrigens was ganz feines, kann man generell aber nur werden, wenn in dem Schulfach Geschichte die Zensuren des Betreffenden dauerhaft auf tiefst unterstem Niveau sich befunden haben. Das gleiche gilt für das Schulfach "scharf Nachdenken und Kapieren".

Die ganze "berüchtigte Zeit" hindurch, wo sich andere miteinander "uneins" waren, hat hier keine Spuren hinterlassen. Wie kann auch sowas sein? Darf das denn überhaupt sein? Nie kam von meinem Großvater oder Großmutter ein schlechtes Wort rüber. Auch nicht von meinen Eltern. Warum sollte denn auch?

"Wer mit der Lüge segelt, der wird nicht landen, und nie erreicht sein Schiff den sicheren Hafen. Lerne auf die Worte zu hören und das Gute vom Bösen zu unterscheiden."

Amunnacht

So, nun sollen doch einmal die diktatorischen Betonköpfe als Geschichtsschreiberlinge diesen ganzen Vorgang in die Geschichte sachlich-korrekt mit einordnen. Ich wäre ja sehr gespannt, was denn dann wieder für sinnloses und wirres Zeug dabei heraus kommt.

"Wenn die Regierenden nicht mit dem Volk zurecht kommen, dann wäre es doch am einfachsten, wenn diese ganz gefährlichen Verbrecher sich ein anderes Volk suchten."
Berthold Brecht

… oder ist da jemand grundsätzlich anderer Meinung?

Viele sonnige Grüße von der "lieben Vergangenheit", ganz besonders an die "nichtarbeitende Bevölkerung" von der Neuländer Straße in Dresden und von der Hainstraße in Chemnitz.

Adel der Arbeit

Der Briefwechsel zwischen Herrn Max Franck und Herrn Paul Grasselt

Brief_A

Brief_B

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Visitenkarte

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