Eine antifaschistische Erklärung abzugeben in dem Sinne, nur sich selber gegen den
Faschismus zu erklären, ohne aber den Faschismus zu erklären, das wäre ein eitles
Unterfangen nach der Art der herrschenden BRD-Ideologie, die aus der Verteufelung ihrer
geschichtlichen Vorgänger eigene Legitimität herbeizureden sucht. Außerdem
erhöht das die Faszination des Faschismus, die er in den kollabierenden parlamentarischen
Demokratien des Westblocks offensichtlich gewinnt. In der Erwartung, daß die alte Parole der
68er Wortergreifung –"Kapitalismus führt zum Faschismus, Kapitalismus muß
weg!" – bald wieder aktuell werden wird, sieht das Deutsche Kolleg sich zu jener allein
glaubwürdigen Erklärung gegen den Faschismus veranlaßt, die in der Erklärung
des Faschismus liegt.
Wie alle Revolutionen Konterrevolutionen hervorrufen, so haben auch die von der kapitalistischen
Revolution heimgesuchten Völker mit konterrevolutionären Bewegungen reagiert, – in
Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Argentinien, Rußland und andernorts. In Deutschland
als dem höchstentwickelten Land und Inneren Reich Europas geschah das am frühesten und
auf philosophischer Höhe, hier waren die wegweisenden Denker Schopenhauer, Nietzsche und
Heidegger, in der Zwischenkriegszeit dann die Köpfe der Konservativen (Konter-)Revolution,
allesamt Naturalienphilosophen, deren Menschenbild eine pessimistische Ethik entweder des
Mitleids mit der menschlichen Schwäche oder der Verherrlichung der menschlichen Stärke
hervorrief und deren vorpolitisches Denken sich auf die Naturalformen von Welt, Wille, Gewalt und
Macht konzentrierte. Damit war die philosophische Grundlage einer Konterrevolution des Denkens
und Handelns gelegt. Konterrevolutionen sind Umkehrungen wesentlicher Verhältnisse in den
Gemeinwesen derart, daß alte und tieferstehende Verhältnisse wesensbestimmend werden. Solcherart
Konterrevolution war der Faschismus.
Der Faschismus kam allerdings im Deutschen Reich praktisch nicht zum Zuge, sondern nur in
den katholischen Ländern, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Durchmarsch des
Liberalismus über sich hatten ergehen lassen. Deutschland erwies sich gegen den Faschismus
so resistent wie zuvor gegen den Liberalismus. Deutschland erlebte den völkisch-nationalen
Sozialismus, der sich auf Grund von Hitler’s Bündnis mit dem faschistischen Italien
konterrevolutionär beschmutzte. Aber im Kern war dem deutschen Nationalsozialismus – durch
seine völkisch-nationalrevolutionäre Grundausrichtung, durch die Deutsche Arbeitsfront und
den Reichsarbeitsdienst – die antikapitalistische Revolution gelungen.
Der Faschismus des 20. Jahrhunderts fand seine klassische Ausprägung in Italien. Er war eine
römische Diktatur, aber keine orientalische Despotie. Damit zeigte er sich als
antikapitalistische Konterrevolution des antiken Typs – ein Grab der Völker und eine
Überhöhung des Staates zum Imperium. Mussolinis Faschismus beruhte nicht auf dem
völkischen Prinzip, weil die Bewohner der apenninischen Halbinsel seit der römischen
Kaiserzeit wegen des imperialen Imports fremder Arbeitskräfte kein Volk mehr sind und auch
im 19. Jahrhundert kein italisches Volk wiederauferstand.
Diktatur ist bei republikanischer Staatsform im Falle des Staatsnotstandes unvermeidlich und in
den Verfassungen vorgesehen. Die konstitutionelle Monarchie als Staatsform bedarf keiner
Diktaturregelung, wenn der Regierungschef nicht von der Parlamentsmehrheit, sondern vom Monarchen
eingesetzt wird. Daß in Deutschland die Regierung Hitler die Gestalt einer Diktatur annahm,
war Schuld der von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges völkerrechtswidrig
erzwungenen republikanischen Staatsform nach der Weimarer Reichsverfassung. Eine starke Mitschuld
an der diktatorischen Form der Regierung Hitler traf die parlamentarischen Demokraten der
Weimarer Republik, die den Notverordnungsartikel der aufgezwungenen Reichsverfassung
mitbeschlossen und zuvor selber mehrfach als Diktaturvollmacht genutzt hatten. Hitler selber
verstand sich nicht als Anti-Demokrat, sondern richtigerweise als Gegner der parlamentarischen
Regierungsform und als direktdemokratischer Volksführer. Der einzige Deutsche, der ihm in
der Nachkriegszeit in dieser Rolle hätte nachfolgen können, wäre Rudi Dutschke gewesen.
Der Faschismus war die antike Konterrevolution, der Kommunismus die asiatische
Konterrevolution gegen den Kapitalismus im 20. Jahrhundert. Mussolini trat konsequenterweise als
römischer Diktator auf, Stalin ebenso folgerichtig als orientalischer Despot. Mussolini
arbeitete seine Proskriptionslisten ab und begann, die Provinzen des Imperium Romanum
zurückzuerobern. Stalin führte in Rußland die Zentralverwaltungswirtschaft ein,
ganz wie ein ägyptischer Pharao, nur auf Grundlage industrieller ursprünglicher
Kapitalakkumulation. Beide Herrschaftssysteme waren keine progressiven Durchgangsstadien zu etwas
geschichtlich Höherem, sondern Rückfälle, geschichtliche Verschnaufpausen oder
Delirien. Hegel sagte dazu: In der orientalischen Despotie ist einer frei (der Despot), in der
klassischen Antike sind es einige (Eupatriden, Patrizier etc.).
Deutsche Denker wie Kant, Fichte, Hegel und Dutschke sind durch ihren Geschichtsprogressismus an
historischen Konterrevolutionen desinteressiert und durch die systematische Basierung der
Philosophie des objektiven Geistes auf dem Begriff des Rechts theoretisch-systematisch gegen
jedes Absinken in den Faschismus immunisiert. Das Deutsche Kolleg setzt diese Tradition fort und
denkt den Organismus des Volkes nicht naturalistisch, sondern als Person und damit auch den Staat
als Nation, aber nicht als formelle Nation (Willensnation), sondern als reelle Nation
(Nationalstaat), als souveräne Gemeinschaft von Abstammung, Sprache und Schicksal, nicht als
Gesellschaft.
Die Verfassung des reellen Nationalstaates beschreibt die Volksgemeinschaft als Organismus.
Dadurch ist die Verfassung zunächst eine Realverfassung. Sie vereinigt das wirkliche
arbeitsteilige Zusammenwirken der Besitzergemeinschaft aller Volksgenossen zu dem beseelten,
einen Gemeinschaftszweck verfolgenden Apparat der öffentlichen Gewalt zwar nicht zu einer
Person, aber zu einem Besitzer. Dieser ist in um so besserer Verfassung, je leichter und
kraftvoller er als Gemeinschaft wirkt, je mehr er an einen tierischen Organismus erinnert, an ein
starkes Raubtier wie Adler oder
Löwe,
die beliebtesten Symboltiere des Staatsorganismus, den der staatsbürgerliche Gesamtverband
aller Volksgenossen bildet. Die Frage der Verkehrsform und also der Rechtlichkeit, die die
öffentliche Gewalt zu einem konkret-allgemeinen Rechtssubjekt und damit zum Staat
macht, ist damit noch nicht berührt.
Dem Staat als objektivem Geist stehen zu seiner Selbstbegreifung und Selbstdarstellung nicht nur
die Ideen des Lebens, des Erkennens und des Handelns und die absolute Idee zur Verfügung,
sondern auch die naturphilosophischen Bestimmungen des animalischen Organismus, des Individuums
mit seiner Krankheit und seinem Tod. Den Staat als Naturalie, d.h. als Verfassung, zu beschreiben
geht also nicht ohne den Organismus-Begriff. Nietzsche und alle anderen Naturalienphilosophen
nach Hegel haben den Staat als kältestes aller Ungeheuer, als Lebenselan, als Starkes gegen
alles Schwache, als Übermensch u.ä. beschrieben. Auch das humanistische Menschenbild
begreift den Staat nur natural, nur als Humanorganismus, ganz wie das rassistische. Der
Rassismus ist allerdings differenzierter als der Humanismus, weil er wenigstens die
Elementarunterschiede innerhalb der Menschheit berücksichtigt.
Hegel und Hitler bleiben unbegreifbar, solange man das politische Menschenbild Hegels und das
naturalistische Menschenbild Hitlers, somit Verkehrsform und Naturalform, nicht unterscheidet und
nicht ihre Einheit in der Rechtsform herstellt. Und gar, wie derzeit üblich, den
historischen deutschen Nationalsozialismus mit dem italienischen Faschismus gleichzusetzen,
versperrt gänzlich den Blick auf die historische Logik. Das ganze gegenwärtige,
unendlich-gedankenlose Gerede über Faschismus und Gesellschaft, das Faschismus nicht von
Nationalsozialismus und Gesellschaft nicht von Gemeinschaft unterscheiden kann, verurteilt das
Deutsche Kolleg ein für alle Mal - und den Faschismus selber sowieso!