"Der Mann hat ... sein wirkliches substantielles Leben im Staate, der Wissenschaft und
dergleichen, und sonst im Kampfe und der Arbeit mit der Außenwelt und mit sich selbst, so
daß er nur aus seiner Entzweiung die selbständige Einigkeit mit sich erkämpft, deren
ruhige Anschauung und die empfindende subjektive Sittlichkeit er in der Familie hat, in welcher
die Frau ihre substantielle Bestimmung und in dieser Pietät ihre sittliche Gesinnung
hat." (Hegel, Philosophie des Rechts, § 116)
Während die BRD-Verwaltung über weitere tiefgreifende Eingriffe in die Gemeinschaften
mittels Kinderzwangsaufenthalt in Bewahranstalten und bezahlter Entväterlichung debattiert
(1), entlarvt die Tagesschausprecherin Eva Herman die neuzeitliche Emanzipation als "fatalen
Irrtum" und Zerstörungswerk (2).
Tatsächlich hat sich die Bedeutung des Wortes Emanzipation umgekehrt. Aus der Entlassung des
Sklaven oder Sohnes in die Eigenständigkeit (3) ist die Selbstbefreiung geworden, aus einem
Gnadenakt wurde so ein Rechtsbruch. Denn jede Entpflichtung verletzt das Recht eines anderen -
die der emanzipierten Frau das der Familie. Der Verrat an der eigenen substantiellen Bestimmung
aber ist nur um den Preis eben jener festgestellten Selbstzerstörung zu haben.
Die im "Kommunistischen Manifest" geforderte Auflösung der bürgerlichen
Familie, einst das antikommunistische Schreckensbild schlechthin, vollzieht sich im entwickelten
Kapitalismus selbst. Die Frauenemanzipation ist Bannerträger der Vergesellschaftung von
Gemeinschaft, ihre Maximalforderung ist die der Anerkennung der Haushalts- als Lohnarbeit, mit
der der eigene Mann als Ausbeuter erscheint. Die Emanzipation verendet in der absoluten
Verelendung, in der die ungezogenen Kinder zuerst unbrauchbare Arbeitskäfte und schlechte
Eltern abgeben und mit den ungeborenen Kindern der letzteren die Arbeitskräfte schließlich
ganz verschwinden.
Die natürliche Auflösung der Familie dagegen, wenn die Kinder flügge,
entläßt diese als Freie in die bürgerliche Gesellschaft, in der sie Kinder
des Staates bleiben. Mit dem übergang der natürlich-substantiellen
Sittlichkeit der Familien in die reflektierte der bürgerlichen Gesellschaft und
schließlich in den Staat als Wirklichkeit der sittlichen Idee ist der positiv
unendliche Prozeß des Lebens in der Sphäre des objektiven Geistes erfüllt. Dem
Vernünftigen und damit der eigenen Bestimmung ist Genüge getan. Die Gewißheit
aber, das Vernünftige getan zu haben, ist die Glückseligkeit.
Die wachsende Automation der Haushalte leistete dem Zerfall der Familie scheinbar Vorschub, denn
die freigewordene häusliche Arbeitskraft stand nun der von der Demokratie idealisierten
Vermietung am Markt und der Zerstreuung (4) zur Verfügung. Aber dem Selbstzweck der Familie
geweiht, verheißt die häusliche Technik für die Zukunft, den um unserer selbst willen
notwendigen Kindersegen bestens zu fördern.
Nicht die Eröffnung weiterer Kinderbewahr- und Pflegeanstalten steht also auf der
Tagesordnung, sondern das Gegenteil: die Heimholung der Kinder und der Alten. Nicht die
Stützung der Lohnarbeit von Frauen löst ein Problem des arbeitslosen und
fehlernährten Landes, sondern deren Gegenteil: Zurück an den verwaisten Herd. Nicht die
verkehrte Emanzipation ist das große Abenteuer des Lebens, sondern deren Gegenteil: Die
Remanzipation, die Aushändigung und überantwortung an einen anderen, in dem ich mein
wirkliches sittliches Selbst erkenne und als ein anderer wiederkehre.