Der Löwe

Der Löwe
Zu Beginn laßt uns sprechen über den Löwen, den König der Tiere. Denn Jakob segnete den Juda und sagte:"Ein Löwenjunges bist du hervorgesprossen, mein Sohn."
1. Mose 49, 9

Der Physiologus sagt vom Löwen, daß er drei Eigenarten habe.
Seine erste Eigenart ist die:
Wenn er im Gebirge geht und zu ihm der Geruch der Jäger kommt, die ihn verfolgen, verwischt er mit seinem Schwanz seine Spuren, damit sie seinen Spuren nicht folgen, sein Lager finden und ihn überwältigen können.
So hat auch Christus, mein Heiland, der geistliche Löwe, der Sieger aus dem Stamme Juda, die Wurzel Davids, von dem unsichtbaren Vater geschickt, seine geistigen Spuren verwischt, das heißt seine Gottheit.

Offenb. 5, 5

Unter Engeln ward er ein Engel, unter Erzengeln ward er ein Erzengel, unter Trohnen ein Trohn, unter den Mächten eine Macht, bis zu seinem Herabstieg. Und er kam in den Scoß der heiligen Jungfrau Maria, damit er rette das verirrte Geschlecht der Menschen, "und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns".

Joh. 1, 14

Daher erkannten sie ihn nicht als den, der von oben herabgestiegen war, und sprachen:"Wer ist dieser König der Ehren?" Dann sprach der Heilige Gest:"Ein Herr der Gewalt, das ist der König der Ehren"

Ps. 23 (24), 10

Die zweite Eigenart des Löwen ist diese:
Wenn der Löwe in seiner Höhle schläft, dann wachen seine Augen, dennsie sind offen. Und im Hohenlied bezeugt das Salomo: "Ich schlafevund mein Herz wacht." So schläftder Körper meies Herren am Kreuz, seine Gottheit aber wacht zur Rechten Gottes, des Vaters

Hohesl. 5, 2

"Denn der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht."

Ps. 120 (121), 4

Die dritte Eigenart des Löwen ist diese:
Wenn die Löwin das Junge gebiert, so gebiert sie es tot und wacht bei der Leiche, bis der Vater kommt am dritten Tag, ihm ins Gesicht bläst und es so weckt. So hat auch unser Gott, der Allherscher, der Vater aller, am dritten Tage seinen erstgeborenen Sohn, der vor aller Schöpfung war, unseren Herren Jesu Christus von den Toten auferweckt. Schön hat es Jakob gesagt:"Er legt sich nieder wie ein Löwe und schläft wie ein Löwenjunges. Wer wird ihn wecken?"

1. Mose 49, 9

Es hat nähmlich der Löwe drei Eigenarten an sich, entsprechend der wesensein Dreieinigkeit. Die erste Eigenart ist diese:
Wenn die Löwin das Junge gebiert, gebiert sie es tot, und sie setzt sich ihm gegenüber drei volle Tage lang und blickt es an. Blickt sie aber weg, so wird es nicht lebendig. Nach drei Tagen kommt der männliche Löwe und bläst in seine Nasenlöcher den Atem des Lebens, und es wird zum Leben gebracht und erholt sich. So haben auch die ungläubigen Heiden während der dreitägigen Grabesruhe und der Auferstehung unseres Herren Jesus Christus aufgeblickt und sind lebendig gemacht worden. Denn vor der Taufe wurden sie tot und blind genannt, sie wurden aber fest angesehen von der Löwin, das heißt vom Heiligen Geist, bis zum Ende der dreitägigen Grabesruhe. Als nun der männliche Löwe kam, das ist das lebendige Wort, hauchte es auf sie den Heiligen Geist und machte sie lebendig und erweckte sie alle aus dem Totenreich.
Die zweite Eigenart des Löwen:
Davon hat David in den Psalmen gesprochen mit dem Worten:"Herr, zerreiße nicht wie ein Löwe meine Seele, da keiner ist, der mich bereit noch rettet."

Ps. 7, 2

Der Physiologus sagt, daß der Löwe, wenn er nichts zu fressen findet, in der Wüste oder im Gebirge umherstreift, im Kreise geht und einen beträchtlichen Platz mit seinem Schwanz markiert; er umschließt ihn auf der Erde, um ein Lager zu machen. Wenn er nun dorthin kommt, wo er den Anfang gemacht hat, legt er sich flach ausgestreckt auf die Erde, mit offenen Augen. Dann erheben sich die kleinen Tiere und, unsicher über den Weg des Löwen, drängen sie sich zusammen und suchen, daß sie einen Weg finden, wo der Löwe nicht gegangen ist. Da sie ihn nicht finden können, kommen sie dem Löwen immer näher, obwohl sie von ihm wegkommen wollen. Da erhebt sich der Löwe, schlägt sie und frißt sie auf.

Der heilige Basilius sagt als Deutung: "Sieh nun auch du zu, Mensch, mit deinem Laufen und Herumwandern in diesem irdischen Leben, bleib im Willen Gottes, damit du nicht in die Versuchung des Löwen fällst, das ist des Teufels. Denn der, wenn er sich auch den Menschen nicht zeigt, sucht in den Versuchungen, welchen er verschlinge, wie der Löwe in seinem Lager."

1. Petr. 5, 8

Physichiologus, Frühchristliche Tiersymbolik,
© 1981 by Unions Verlag (VOB)Berlin, Lizenz-Nr. 395/3063/81, LSV 7388

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