»Es gibt kein Königsberg mehr, in dem ein Kant die Welt neu denken könnte. Im Schlesien
von heute vergingen einem Eichendorff die Zauberworte. Für Kolberg drückt niemand mehr
eine Patrone in den Lauf. Und Rübezahl? Der hat das BRD-Wirtschaftswunder vollbracht.«
(unbekannt)
Auf Polen ist Verla?. Es läßt sich von der Westmacht einmal mehr zum Aufmarschgebiet
gegen das Reich (und diesmal auch gegen Rußland) machen. Polen will seine Staatlichkeit,
die das Deutsche Reich ihm heute vor 90 Jahren geschenkt hat, unbedingt wieder verlieren. Ein
polnischer Staat, wußte schon Bismarck, bedeutet eine französische Armee im
Weichselbogen. Die neueste Variante dieses Spiels: amerkanische Raketenstellungen im polnisch
besetzten Süd-Ostpreußen (1).
Passend erklingt dazu das Säbelrasseln der großpolnischen Träumer. Weder Geld
noch Unterwürfigkeit können deren Unverfrorenheit besänftigen. Diese Lektion
lernten die linksliberale taz, die Auslandsjournallie, EU-Parlamentarier und die BRD-Lagerleitung
(2). Die Polenromantik des 19. Jahrhunderts wird nachträglich zur wirklichen Peinlichkeit
der deutschen Geschichte, der Erste September 1939 dagegen zum wirklichen Tag der Befreiung.
Das schlechte Gewissen des Landräubers duldet noch nicht einmal die museale Selbstabwicklung
korrumpierter Vertriebenenfunktionäre mittels Reflexion über »Vertreibung an sich« (3).
Einem Bauernvolk muß die widerstandslose Preisgabe wertvollen Ackerbodens unbegreiflich und
verdächtig bleiben. Die besondere Vertreibung der Ostdeutschen hängt damit weiter als
Damoklesschwert über dem europäischen Status quo, wie tief die BRD-Oberen in ihrer
Selbsterniedrigung auch sinken mögen.
Erst die vereinigte Konterrevolution gegen das Deutsche Reich reichte der Moderne - der
nomadischen Weltbemächtigung - und der Herrschaft der Mindertüchtigen genügend
Machtmittel zur Bereinigung der lange schwärenden Deutschen Frage. Und erst dem Bruch dieses
Bündnisses folgte das Ende der physischen Vernichtung und der zumindest wirtschaftliche
Wiederaufstieg der helotisierten Deutschen.
Die Ostdeutschen trugen dabei zwangsläufig die Hauptlast des Aufbaus und der sozialen und
technischen Erneuerung, die weit vor 1968 mit voller Kraft betrieben wurde. Die ihre zonalen
Ersatz-Existenzen neu aufbauenden Vertriebenen gaben den entscheidenden Zusatzantrieb des
Wirtschaftswunders im Westen. Darüberhinaus nimmt für sie das Deutsche Kolleg weitere
Funktionen an:
1. Sie dienten als deutsche Gastarbeiter, die für niedriges Lohnniveau qualifizierte Arbeit
von hoher Intensität mit starkem Gemeinwirtschaftssinn leisteten.
2. Der mit ihnen erhöhte Bevölkerungsdruck steigerte die Importabhängigkeit,
erzwang vermehrte Exporte und führte zu Orts- und Landschaftsverfremdung.
3. Sie stabilisierten den Antikommunismus und beförderten die Verwestlichung und
Amerikanisierung, die als kleinere Übel gegenüber Russifizierung und Polonisierung
angesehen wurden.
4. Sie trieben die Protestantisierung und Liberalisierung der Westzone voran.
5. Sie boten der Christdemokratisierung eine traumatisierte politische Verschiebemasse.
6. Sie sorgten für die moralische Verpreußung des neuen Rheinbundes und damit
für die innere Stabilisierung der BRD.
7. Das schlesische Bayern, das ostpreußische Westfalen usw. bildeten das
unerreichbare Integrationsmodell für ein türkisches Kreuzberg und ähnliche
Perversionen.
8. In der DDR dagegen, wo fast ein Drittel der Bevölkerung »verschwiegene Vertriebene«
waren, trugen sie die Erhebungen von 1953 und 1989 und wirkten dazwischen an der inneren
Destabilisierung der DDR.
Nach dem Mauerbau 1961 begann der von Konservativen beklagte »Linksrutsch der BRD« (4). Die aus
Mitteldeutschland Getriebenen, die den ostdeutschen Vertriebenen in das Lohnarbeiterparadies BRD
gefolgt waren, blieben nun aus. Zur Aufrechterhaltung der Mehrwertraten standen die umfassende
Automatisierung und die Einfuhr fremdländischer Billiglöhner zur Wahl. Ideologisch
verwestlicht setzte man vorrangig auf letzteres.
Der ostdeutsche Mohr hatte da seine Schuldigkeit längst getan. Nur nach Hause gehen durfte
er nicht. Also begann der Untergang der ostdeutschen Stämme zwar mit deren Vertreibung; für
dessen Geräuschlosigkeit aber sorgte nicht nur die unduldsame Holocaustreligion, sondern
auch die alltägliche Vernutzung für Wohlstand, Westbindung und Demokratisierung.
Vollendet wird er nun mit dem auf den Heimattagen sichtbaren, natürlichen Verschwinden der
Pensionäre und der sprachlichen Besatzung ihrer Heimat mit den »Ossis« aus Mitteldeutschland.
Die Notwendigkeit der Einheit von Blut und Boden für das Leben von Stamm und Volk ist jedoch
ein für allemal bewiesen.
Die erzwungenen Gebietsabtretungen seit 1918 haben das Recht des Deutschen Volkes auf Dauer
verletzt. Tragen da Privatrechtsklagen von Vertriebenen noch stellvertretenden Charakter, so sind
Menschenrechtsklagen auf ein eingebildetes »Recht auf Heimat« nur lächerlich (5).
Die unübersetzbare Heimat, das Vaterländle, ist der Herstellungs- und Kultort von
germanischer Gemeinschaft und natürlicher Sittlichkeit. Aber: »Keines der sogenannten
Menschenrechte geht ... über den egoistischen Menschen hinaus, über den Menschen, wie
er Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft, nämlich auf sich, auf sein Privatinteresse
und seine Privatwillkür zurückgezogenes und vom Gemeinwesen abgesondertes Individuum
ist.« (6) Entheimatung und Entvaterlandung sind die wirklichen »Menschenrechte«.
Der Phantomschmerz des amputierten Reiches ist dank moderner Geschichtsbewältigung verewigt.
Die vertriebenen Stämme bleiben in ihren Nachkommen als Substanz, als bloße
Möglichkeit erhalten. Ihre notwendige Auferstehung dürfte wie eh und je über
Heerzüge gelingen, die Geschichte schreiben. Den aus dem Auslande fliehenden deutschen
US-Hilfspolizisten böte sich hier im Inland Gelegenheit zur Wiederherstellung ihrer
militärischen Ehre. Die Deutschenhasser des maßlosen Nachbarn helfen dem
zufälligen Anlaß des Zurückschießens (7) jedenfalls selbst nach. Auf Polen
ist Verlaß.
Gernot Kröslin
(1) http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,433983,00.html // FAZ vom 04.11.2006
»Washington verspricht Polen besonderen Schutz«
(4) »Vielleicht wird man einmal die fünfziger und sechziger Jahre des vergangenen
Jahrhunderts als Dezennien der Freiheit betrachten. ... Die Bedingungen der Freiheit lösten
sich in den sechziger Jahren allmählich auf.« In: Die Stunde des Widerstands von Karlheinz
Weissmann, JUNGE FREIHEIT 41/06, 06. Oktober 2006, http://www.jungefreiheit.de/
(5) http://www.perlentaucher.de/buch/7466.html
(6) Karl Marx, Zur Judenfrage, 1843, http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_347.htm