Die Schlange

Die Schlange
Der Herr hat im Evangelium gesagt:"Seid klug wie die Schlange und ohne Falsch wie die Tauben."
Matth. 10, 16

Der Physiologus sagt von der Schlange, daß sie vier Eigenarten habe.
Ihre erste Eigenart ist die: Wenn sie alt wird, läßt die Kraft ihrer Augen nach, und sie sieht schlecht. Und wenn sie sich verjüngen will, lebt sie asketisch und Fastet vierzig Tage und vierzig Nächte, bis ihre Haut faltig wird. Und sie sucht einen Felsen mit einer engen Spalte. Dort kriecht sie hinein und reibt ihren Leib. So wirft sie die alte Haut ab und wird wieder jung.

Matth. 4, 2

Deutung: Auf diese Weise sollst auch du, o Mensch, wenn du das Greisenalter des Kosmos ablegen willst durch den engen und mühsamen Weg, nämlich durch Fasten, deinen Körper zum Schwinden bringen, " denn die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum ewigen Leben führt".

Matth. 7, 13-14

Von der Schlange zweitens. Wenn die Schlange zum Wassertrinken an die Quelle geht, so bringt sie ihr Gift nicht mit sich, sondern läßt es in der Hölle zurück. So sollen auch wir zum ewigen und sündlosen Wasser eilen, das voll ist von göttlichen und himmlischen Lehren, nämlich in der Gemeinde Gottes, nicht das Gift der Sünde mit uns nehmen, sondern es gänzlich von uns abwerfen.
Von der Schlange drittens. Wenn sie einen nackten Menschen sieht, erschrickt sie und wendet sich ab. Wenn sie ihn aber bekleidet sieht, springt sie ihn an. So sagt es der Physiologus.
Deutung: Auch wir sollen geistlich erkennen, daß, als Vater Adam nackt im Paradies war, der Satan ihn nicht zu fesseln vermochte. Wenn nun auch du das Gewand des alten Menschen trägst, das ist das Feigenblatt der Lust, wie wird dich, alt geworden an Tagen, der "Böse von alters her" nicht anspringen? Wenn du aber das ausziehst und nackt bist von Sünde, wendet er sich ab und flieht.

1. Mose 2, 25; Sus. 52
Mensch und  Schlange
Von der Schlange viertens. Wenn ein Mensch sie angreift und töten will, gibt sie den ganzen Körper dem Tode preis, ihren Kopf aber schützt sie allein.
Deutung: So sollen auch wir im Augenblick der Versuchung unseren ganzen Leib dem Tode preisbeben, den Kopf allein schützen, das ist Christus nicht verleugnen, so wie es die allerheiligsten Märtyrer getan haben, denn " Christus ist eines jeden Mannes Haupt ", wie geschrieben steht.

1. Kor. 13, 3; 11, 3

(Zur vierten Eigenart noch eine andere Deutung.)
Der heilige Basilius sagt: So sollst auch du, Mensch, wenn dich einer um Christi willen bedrückt, deinen Kopf schützen , in dem du das Vertrauen auf Christus unbefleckt erhältst, damit du vor Christus klug erscheinst wie die Schlange. Und wie kann der Herr die Schlange klug nennen, die er doch verflucht hat? So höre! Die Verfluchung geht gegen den Sündenfall und den Teufel und die Schlange, aber der Herr lobt sie nicht wegen ihrer Schlechtigkeit, sondern weil sie Ihren Kopf schützt. Deswegen sprich: " seid klug wie die Schlangen ", das heißt, sei klug wie die Schlange, und nimm deinen Kopf in acht, das ist das Vertrauen auf Christus.

Physichiologus, Frühchristliche Tiersymbolik,
© 1981 by Unions Verlag (VOB)Berlin, Lizenz-Nr. 395/3063/81, LSV 7388
 

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