Johannes sagt: "Ich sah den Himmel offen und den Heiligen Geist herniedersteigen wie eine
Taube aus dem Himmel und auf ihm bleiben, und eine Stimme kam aus dem Himmel, die sagte: Das ist
mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe."
Matth. 3, 16-17
Über viele Tauben hat der Physiologus gesprochen, denn es gibt nämlich Zuchttauben, und
es sind viele Arten Tauben, und sie haben viele Farben, die starfarbige, schwarze, goldfarbige,
ganz weiße, die feuerfarbene.
Der Physiologus sagt von diesen Tauben, daß, wenn der Züchter alle Tauben ausfliegen
läßt, sie sich nicht wieder hineintreiben lassen, und kein anderer Züchter kann
sie dazu bringen, in ihr Nest zu gehen, wenn nicht allein die feuerfarbene Taube sie alle
anführt und überredet.
Deutung: Vor dem irdischen Aufenthalt Christi hat der Vater vorher viele Tauben geschickt,
daß sie alle zum Leben riefen, Moses, Elias, Samuel, Jeremija, Hesekiel, Daniel und die
anderen Propheten, und keiner hatte es vermocht, die Menschen zum Leben zu führen. Als aber
unser Herr Jesus Christus aus dem Himmel vom Vater geschickt wurde, hat er mit seinem Blute alle
zum Leben geführt und gesagt: " Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen
seid, ich will euch erquicken. " Denn er selbst ist die feuerfarbene Taube, wie im Hohenlied
geschrieben steht. " Mein Freund ist rot ", sagt die Braut, die die Gemeinde ist.
Rahab, die Hure, glaubte dem scharlachroten Zeichen, und so wurde ihr Leben und ihr geistliches
Haus gerettet. Und im Hohenlied sagt Salomo: " Wie eine scharlachrote Schnur sind deine
Lippen. " Und Maria, die Gottesgebärerin, nahm es auf sich, das Scharlachkleid und den
wahrhaftigen Purpur zu arbeiten, da das Los sie dazu bestimmt hatte. Im Evangelium nach
Matthäus steht geschrieben: Als der Herr gekreuzigt werden sollte, wurde er mit einem
scharlchroten Gewand bekleidet, bei Johannes steht, daß er ein purpurnes anzog. Und das ist die
Erklärung des Geheimnisses: Matthäus hat mit dem Scharlach den fleischlichen Heilsplan
gemeint, Johannes aber hat mit dem Purpur das Königtum gemeint, denn keiner darf den Purpur
tragen, nur der König.
Schön spricht der Physiologus über die feuerfarbene Taube.
Matth. 11, 28; Hohesl. 5, 10; Jos. 2, 1-18; Hohesl. 4, 3; Matth. 27, 28; Joh. 19, 2
Der Phsysiologus sagt, daß der Habicht, wenn alle Tauben zusammen fliegen, er es nicht wagt
einer von ihnen nahe zukommen, weil die Flügel im gleichen Takt schlagen. Wenn er aber eine
findet, die sich verflogen hat, schlägt er sie so gleich und frißt sie auf.
Deutung: So auch die Schar der Jungfrauen, wenn sie gemeinsam in der Gemeinde ihren wohlklingenden
Gesang zum Himmel emporsenden mit Gebeten und Psalmen, die Gott wohlgefällig klingen, wagt
auch der Teufel nicht, sich ihnen zu nähern, denn er fürchtet ihr kräftiges Gebet
und ihr Psalmensingen. Wenn er aber eine allein faßt, tötet er sie. So soll keine
Jungfrau, kein Christ die Gemeinschaft mit Gott verlassen, damit sie nicht ein Raub des
Bösen werden.
Von den Tauben spricht der Herr in den Evangelien: "und ohne falsch wie die Tauben".
Der Physiologus sagt von ihr: Die Taube, wenn ihr Herr ihre Jungen nimmt, mißgönnt sie
sie ihm nicht noch denkt sie böse, sondern sie bemüht sich, ein neues Nest zu bauen und
Junge in seinem Haus aufzuziehen.
1. Matth. 10, 16
Der heilige Basilius sagt: Sieh nun, o Mensch, die Weisheit des Herren und ahme die Taube nach.
Der Herr meinte nicht, daß du ein Vogel werden sollst noch deine Natur ändern, sondern
wegen der weisen Vorschrift, daß man nichts Böses im Sinne haben solle. Wenn dir einer
den Mantel nimmt oder etwas von dem Deinen, laß ihm um der Liebe Christi willen auch den
Rest, denn er hat seinen Jüngern dies aufgetragen: " Selig seid ihr, wenn sie euch
schmähen und verfolgen um meinetwillen! "
Matth. 5, 40; Matth. 5, 11