Öffentliche Anhörung im Sächsischen Landtag über die Novelle zum
Sächsischen Hochschulgesetz
Bei der öffentlichen Anhörung des Sächsischen Landtages über die Novelle
zum Landeshochschulgesetz trugen 12 Sachverständige aus dem Bereich der Lehre, der
Studentenschaft und der privaten Studieneinrichtungen ihre Einschätzung des Gesetzentwurfes
der Staatsregierung zur Änderung des Sächsischen Hochschulgesetzes vor und
beantworteten anschließend Fragen der Abgeordneten.
Die Novelle ist eine Folge der sogenannten Bologna-Erklärung der Kultus- und
Wissenschaftsminister der europäischen Länder vom 19.06.1999. Deren Ziel ist vor
allem die Verstärkung der "Mobilität" der Studenten, d.h. ihre Loslösung von
den nationalen Bildungstraditionen und der eigenen Gesellschaft und ihre verstärkte
Verfügbarmachung auf europäischer und internationaler Ebene.
Vor allem der von der NPD benannte Sachverständige, Prof. Bernd Rabehl , ging auf die
eigentliche bildungspolitische Weichenstellung ein, die mit dem Bologna-Prozeß verbunden ist.
Rabehl sagte:
"Das Humboldtsche Bildungssystem war mit seiner Vielfalt von Schulen,
Fachhochschulen, Universitäten und Technischen Universitäten 150 Jahre lang
außerordentlich erfolgreich und wurde von der ganzen Welt bewundert. Dieses hervorragende
System wurde ab Mitte der sechziger Jahre durch die Politisierung, zuerst von unten, dann von
oben, unterminiert und erhält jetzt durch den Bologna-Prozeß den Todesstoß.
Beim vorauszusehenden Scheitern dieses Prozesses wird es zu einer Zweiteilung des deutschen
Bildungssystems kommen, ähnlich wie in den USA: auf der einen Seite eine amerikanisierte
Klippschule, auf der anderen Seite ein teuerer privater Hochschulsektor, in dem die Eliten
ausgebildet werden."
Ebenfalls kritisch gegenüber der bildungspolitischen Gleichschaltung und Amerikanisierung
äußerte sich Prof. Dr. Dr. Kurt Reinschke, Direktor des Instituts für Regelungs- und
Steuerungstheorie der TU Dresden.
Professor Reinschke rügte zunächst die Verwendung angelsächsischer Begriffe
für deutsche akademische Grade. Professor Reinschke wörtlich: "Wir sind eine
sächsisch-deutsche Hochschule. Es ist eine Schande, daß wir Grade verwenden, die man
übersetzen muß. Wir sollten uns bemühen, vernünftige muttersprachliche
Bezeichnungen für unsere Studiengänge zu finden." Er verwies auf die unterschiedlichen
Ideale und Traditionen der Hochschulen in den verschiedenen Ländern und versinnbildlichte
dies mit einem Zitat eines amerikanischen Ingenieurs, der ihm gegenüber geäußert hat:
"Ihr Deutschen schreibt Ingenieur mit I, wie ,In-genium', wir mit E, wie ,Engine' ".
Der bildungspolitische Sprecher der NPD-Fraktion, Jürgen Gansel, stellte zum
Bologna-Prozeß im allgemeinen und zum vorliegenden Gesetzentwurf im besonderen fest:
"Diese Bildungspolitik dient nur einem Zweck: der systematischen Zerstörung
unseres nationalen Bildungssystems, um welches uns die ganze Welt beneidet hat. Eine Abkehr von
dieser Wahnsinnspolitik ist nur durch eine nationale politische Wende in unserem Land möglich."