II. Germanen und Römer
1. Die Angriffe der Germanen auf das Römerreich
1. Die Kimbern und Teutonen
Um 113 v. Chr. Erschienen an den Alpen und in Gallien germanische Volksstämme und begehrten
von den Römern Land. Es waren die Kimbern und Teutonen. Sie kamen mit Weib und Kind und
großen Herden von Norden her und waren vermutlich aus ihrer Heimat, der Halbinsel
Jütland, durch häufige Überschwemmungen vertrieben worden. Da ihnen aber bei der
großen Zahl die Verpflegung schwer wurde, trennten sich die beiden Völker, um auf
verschiedenen Wegen in Italien einzudringen.
Den Teutonen stellte sich in der Rhone-Ebene der Römische Feldherr Marius entgegen. Er
verschanzte sein Lager und gewöhnte seine Krieger erst an den Anblick der wilden Gestalten.
Die Teutonen hielten sein Zaudern für Furcht, brachen auf und zogen sechs Tage lang an seinem
Lager vorüber. Die Römer folgten ihnen jetzt und besiegten sie in einer wilden Schlacht,
102 v. Chr. Ein Jahr später griff Marius die Kimbern, die inzwischen die Alpen
überschritten hatten, in der Po-Ebene an. Die Kimbern bildeten ein großes Viereck, dessen
vordersten Reihen sich mit ketten aneinander geschlossen hatten. Es war ein heißer Tag, und
die Sonne schien ihnen noch dazu ins Gesicht; auch trieb ihnen der Wind den Staub in die Augen.
Bald mußten sie weichen, und die meisten von ihnen wurden erschlagen. Als die Frauen den
Untergang ihrer Männer vor Augen sahen, töteten sie erst ihre Kinder und gaben sich
selbst den Tod, um nicht in die Hände der Römer zu fallen.
2. Die Sueven.
Etwa 40 Jahre nach dem Untergange der Kimbern und Teutonen gingen die Sueven unter ihrem
Anführer Ariovist auf das linke Rheinufer hinüber und unterwarfen sich das
nördliche und mittlere Gallien, das ist das heutige Frankreich, Das erweckte den Neid der
Römer; denn sie wollten Gallien ihrem Reiche einverleiben. Mit einem mächtigen Heere
rückte ihr Feldherr Julius Cäsar in das obere Elsaß ein. Nahe bei dem heutigen
Mühlhausen kam es zur Schlacht. Cäsar siegte, und Ariovist wurde mit seinem Sueven
über den Rhein zurückgeworfen. Damit waren Römer und Germanen Grenznachbarn
geworden, und es begannen lange und blutige Kämpfe zwischen den Völkern.
Das Römische Reich war damals das größte Weltreich und hatte eine riesenhafte
Ausdehnung. Es gehörten dazu Italien, Spanien und Portugal, Frankreich, England, die Schweiz,
Griechenland, Kleinasien, Palästina, Ägypten und Nordafrika.
2. Der Gegenangriff der Römer
1. Drusus und Tiberius
Der Kaiser Augustus, der um Christi Geburt lebte, wollte das germanische Land erobern. Zuerst
schickte er seine beiden Stiefsöhne Drusus und Tiberius nach Germanien. Diese eroberten den
südlichen Teil des Landes bis zur Donau. Am Lech gründeten sie Augsburg. Während
nun Tiberius an der Donau blieb, ließ Drusus 50 befestiget Lager (Köln, Koblenz, Trier,
Straßburg, Worms usw.) am Rhein anlegen und unternahm von hier aus vier Heereszüge
gegen die Germanen. Zuletzt drang er bis zur Elbe vor.
Die Sage berichtet, hier habe sich ein riesenhaftes Zauberweib entgegengestellt und drohend zu
ihm gesagt: "Wohin, unersättlicher Drusus? Es ist dir nicht beschieden, alle diese
Länder zu schauen, kehre um, du stehst am Ziele deines Lebens!" Erschreckt sei Drusus
umgekehrt; beim Übergang über die Saale sei er mit dem Pferde gestürzt, habe sich ein Bein
gebrochen und sei bald darauf gestorben.
Gedicht:
Drusus’ Tod Karl Simrock
Sein Bruder Tiberius setzte das Werk fort und unterjochte durch List und Verrat alle Völker
zwischen Rhein und Elbe. Überall suchten nun die Römer römischen Götterdienst,
römisches Recht und römische Sitten einzuführen. Viele Germanen traten in den
römischen Kriegsdienste, und die Söhne der Edeln wurden nach Rom geschickt, um dort
erzogen zu werden.
2. Varus
![Fasces [lat.] Im alten Rom mit Lederriemen umschnürte Rutenbündel](/nachgedacht/img/fasci2a.gif)
Der Fasci
Im Jahre 6 n. Chr. Schickte der Kaiser Augustus seinen Feldherrn Varus als Statthalter nach
Germanien. Dieser errichtete an der Weser ein festes Lager und behandelte die ganze Gegend wie
eine römische Provinz. Er hob die alten Schiedsgerichte auf und setze römische Richter
ein, die in ihrer Sprache und nach ihrem Gesetz die Germanen richteten.
Auch legte er den freien
Männern, die bis dahin von allen Abgaben frei waren, Steuern auf. Wenn er durch das Land zog,
ließ er nach römischer Weise Beile und Rutenbündel(…) vor sich hertragen, zum
Zeichen, daß er Macht über Leben und Tod habe. Ja es kam vor, daß freie Germanen mit Ruten
gepeitscht oder wohl gar mit dem Henkerbeile hingerichtet wurden, während die Todesstrafe bei
ihnen sonst nur auf Landesverrat und auf Feigheit im Kriege festgesetzt war. Das alles
erfüllte die Germanen mit Ingrimm.
(Anmerkung: Wer von Ihnen bis hierher gelesen hat, merkt unweigerlich Parallelen in die heutige
Gegenwart, vor allem vom letzten Kapitel ausgehend. Nur heute sind es eben nicht mehr die
Römer, sondern es sind "Jene". Die freche Anmaßung ist jedoch die Gleiche
geblieben. Später ist das römische Reich an seinen eigenen Widersprüchen
zerfallen. Dachte man damals nicht auch, bemessen in ihrer Vorstellungskraft, an eine Art der
Globalisierung? Erst gab es böse und wilde Germanen - Heiden die vernichtet werden
müssen. Dann Hexen und Ketzer - mit magischem Wissen aus dem Volk. Dann Schwarzafrikaner,
dann stinkende und dreckige Rothäute - mit genauen Kenntnissen der Naturgesetzte.
Mittlerweile, seit ca. 60 Jahren böse und unbelehrbare Deutsche, die "offiziell" zwei
Weltkriege entfacht haben und in der Gegenwart Schurkenstaaten als "Vorposten des
Terrorismus". Es wurde der Ausspruch geprägt: "Deutsch ist, wer zum Volk der
Mörder gehört." Naja, Mörder gibt man eben keinen Friedensvertrag und keine
vom Volke in freier Entscheidung gewählte Verfassung. So fühlt sich kein
Systempolitiker mehr verpflichtet, sich mit dem Sachthema zu beschäftigen und zum Wohle des
Deutschen Volkes zu entscheiden. Seit gut 2000 Jahren immer wieder das gleiche Drama mit
"Jenen".)
3. Armin, der Cherusker
Dem bedrängten Lande erschien als Retter Armin, der Sohn eines Cheruskerfürsten. Die
Cherusker, d.h. Schwertmänner, wohnten zwischen Weser und Aller. Armin hatte die Römer
häufig auf ihren Kriegszügen begleitet, und es war ihm nicht nur das römische
Bürgerrecht, sondern auch der Rang eines römischen Ritters verliehen worden. Mit tiefen
Schmerze sah er, wie sein Volk unter der Knechtschaft litt und sich nach Freiheit sehnte. Da rief
er heimlich mehrere Stammesfürsten zusammen und verabredete mit ihnen die Befreiung des
Vaterlandes. Varus aber glaubte, Armin sei im Herzen ein Römer, und lud ihn öfter zu
Tische. Zwar warnte ihn Segest, ein römerfreundlicher Germane, und sagte: "Traue Armin
nicht, er ist ein Verräter!" Aber Varus achtete nicht darauf; denn er hielt die Warnung
für rachsüchtige Verleumdung. (Armin hatte dem Segest die Tochter Thusnelda geraubt)
4. Schlacht im Teutoburger Walde. 9 n. Chr.
Bald darauf erhielt Varus die Kunde von dem Aufstande eines Stammes an der Ems. Das war so geplant
worden, um Barus und sein Heer recht tief in die Wälder zu hineinzulocken. Arglos brach er
aus seinem Lager auf und zog mit drei Legionen zu je 5000 Mann ohne strenge Ordnung und mit
vielem Gepäck durch den dichten Wald an der Weser dahin. Hier aber fielen die Germanen aus
dem Dickicht des Waldes die Römer an, anfangs einzeln, dann in dichten Haufen. Kämpfend
erreichten die Römer einen freien Platz, wo sie ihr Nachtlager aufschlugen. Am folgenden
Tage zogen sie dann weiter und kamen in den Teutoburger Wald. Ein furchtbarer Sturm brauste durch
das Dickicht. Der Regen floß in Strömen herab. Der schlüpfrig gewordene Boden und
umgestürzte Baumstämme erschwerten den gerüsteten und mit Gepäck belasteten
Römern den Weg. Leichtfüßig und mutig waren die Germanen. Aus jedem Busche
drangen sie hervor, von jedem Baume schossen sie ihre Pfeile auf die erschrockenen Römer ab.
Erst die Nacht machte dem wütenden Kampfe ein Ende. Aber nicht lange konnten die ermatteten
Römer ruhen; das Kriegsgeheul der Germanen schreckte sie schon vor Tagesanbruch auf und
trieb sie weiter. Endlich erreichten sie ein offenes Feld. Da standen in dichten Scharen die
Germanen zum Kampfe geordnet. Mit Ungestüm drangen sie in die Reihen der Römer ein, und
vor ihnen sanken die Feinde wie Halme zur Erde. Als Varus sah, das alles verloren war,
stürzte er sich verzweiflungsvoll in sein eigenes Schwert.

Heimkehr der Germanen aus der Schlacht im Teutoburger Wald
5. Nach der Schlacht
Schrecklich war die Niederlage der Römer. Die meisten lagen am Boden. Die Lebenden gerieten
größtenteils in die Gefangenschaft.
Hier harrte ihrer ein schreckliches Schicksal. Die Anführer wurden den Göttern geopfert.
Den römischen Richtern riß man die Zunge heraus und rief dazu: "Nun zische,
Natter, wenn du kannst!" Andere Gefangene wurden zu den niedrigsten Sklavendiensten
gezwungen, und mancher Römer aus ritterlichem Hause alterte bei einem germanischen Bauer als
Hausknecht oder Herdenhüter.
Die Römer fürchteten einen Angriff auf ihr Reich. Aber die Germanen dachten nicht an
Eroberungen. Sie säuberten das Gebiet bis zum Rhein von den Römern und kehrten dann
friedlich an ihren Herd zurück. Sie hatten der römischen Weltmacht zu trotzen gewagt.
Hinfort verzichteten auch die Römer dem ebenbürtigen Kämpfer gegenüber auf
weitere Eroberungen und beschränkten sich auf die Verteidigung.
3. Friedliche Beziehungen zwischen Germanen und Römern
1. Die römischen Grenzlande
Die Römer schoben später die Grenze ihres Reiches bis über den Rhein und die
Donau vor und befestigten sie um das Jahr 100 durch einen gewaltigen Grenzwall, Limes genannt,
der von der Mündung der Lahn über den Taunus und den Main und von da erst in südlicher,
dann in östlicher Richtung bis zur Altmühlmündung an die Donau ging. An einigen
Stellen bestand diese Grenzwehr aus einer Mauer, an anderen aus Erdwall und Graben. In geringen
Entfernungen voneinander befanden sich Wachthäuser; wichtige Übergänge sicherten
Burgen. Eine derselben, die Saalburg auf dem Taunus, hat Kaiser Wilhelm II. wieder aufbauen
lassen. Die Gegend zwischen diesem Grenzwall und dem Rhein und der Donau überließen
die Römer gallischen Ansiedlern gegen Entrichtung des Zehnten (daher Zehntland). Im
Zehntland entstanden Städte wie Wiesbaden und Baden. Bei den römischen Standlagern am
Rhein und an der Donau siedelten sich viele Eingeborene als Kolonisten an. Auf diese Weise
entstanden die Städte Köln, Koblenz, Bonn, Mainz, Worms, Straßburg, Augsburg,
Regensburg und Wien. So entwickelte sich im Grenzlande ein blühendes Leben wie im
römischen Reiche. Die Befestigungen und das Zehntland sicherten die Römer gegen
plötzliche Überfälle der Germanen. Der Grenzwall hemmte den Wanderbetrieb der
Germanen, machte sie seßhaft und nötigte sie, ein Bauernvolk zu werden.
2. Einfluß der Römer auf die Germanen
Die Berührung mit den Römern war für die Germanen von großer Bedeutung. Viele
germanische Jünglinge nahmen Dienste bei den Römern und gelangten im Heer und als
Beamte bis in die höchsten Stellen. Sie lernten im römischen Waffenrocke die Welt
kennen. Nach ihrer Rückkehr erweckten sie durch ihre Erzählungen bei ihren
Volksgenossen Sehnsucht nach dem sonnigen Italien. Ein lebhafter Handel tauschte die Waren aus.
Für Sklaven, Pferde, Rinder, Pelze und Honig bekamen die Germanen Wein, Zeuge, Schmucksachen,
Waffen und römisches Geld. Durch die Römer lernte man allerlei feine Gartenfrüchte
und eine bessere Bestellung des Bodens kennen. Die Ufer der Mosel und des Rheins wurden mit Reben
bepflanzt und edle Obstbäume von Italien aus eingeführt.
3. Völkerbündnisse
Die Germanen hatten in den Kämpfen mit den Römern gelernt, daß Einigkeit stark macht.
In der Folgezeit schlossen sich darum kleinere Völkerschaften zu größeren
Völkerbündnissen zusammen und zogen dann unter einem Herzog in den Kampf. Die Alamannen
wohnten am Main und besetzten später das Land zwischen Schwarzwald und Wasgenwald. Die
Franken (die Freien) saßen am Mittel- und Unterrhein. Den Sachsen, die ihren Namen von
ihrem kurzen Schwert "Sachs" erhalten haben, gehörte das Gebiet zwischen
Niederrhein und Elbe. Die Goten hatten ihren Sitz an der unteren Donau. Sie waren die ersten
Germanen, die das Christentum annahmen. Ihr Bischof Wulfila übersetzte die Bibel ins
Gotische. Einige Teile sind als ältestes Denkmal deutscher Sprache erhalten.
Auszüge aus dem Sächsischen Realienbuch Nr. 164 Neubearbeitung von Oskar Ostermai, Schuldirektor in Dresden
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