Die Welt der germanischen Sagen; Idun oder Iduna (die Immergrüne) ist Bragis Gemahlin.


Idun oder Iduna (die Immergrüne) ist Bragis Gemahlin.
Idun wurde von Loki überlistet. Sie nahm ihr Körbchen
mit den Äpfeln und ging mit Loki dem Haine zu. Kaum
waren sie in das Gebüsch getreten, da brauste es wie
Sturmwind durch die Wipfel der Bäume, ein riesiger
Adler rauschte herab, ergriff die erschrockene Göttin
mit seinen Fängen und flog mit seiner Beute gen
Thrymheim, in das Land der rauhen Stürme,wo die
"Immergrüne" elend verkümmern mußte.

 
Bragi ist ein Sohn Odins, der langbärtige Sangesmeister.

Bragi ist ein Sohn Odins, der langbärtige
Sangesmeister. Tönende Lieder klingen von
seinen Lippen, und seine Rede ist lieblicher,
als die Stimme der Vögel und das Rauschen
der Wasser, die von Himmelsbergen springen.
Ihm hat sein Vater die Gabe der Dichtkunst
gegeben.

Idun oder Iduna (die Immergrüne) ist Bragis Gemahlin.
Sie ist ein Bild der verjüngenden Kraft des Frühlings und gleicht dem "Mädchen aus der Fremde", von welchem der große Dichter singt:

In einem Tal bei armen Hirten,
Erschien mit jedem jungen Jahr,
Sobald die ersten Lerchen schwirren,
Ein Mädchen schön und wunderbar.


Sie war nicht in dem Tal geboren,
Man wußte nicht, woher sie kam;
Und schnell war ihre Spur verloren,
Sobald das Mädchen Abschied nahm.


Beseligend war ihre Nähe,
Und alle Herzen wurden weit,
Doch eine Würde, eine Höhe
Entfernte die Vertraulichkeit.


Sie brachte Blumen mit und Früchte,
Gereift auf einer anderen Flur,
In einem anderen Sonnenlichte,
In einer glücklicheren Natur.


Und teilte jedem eine Gabe,
Dem Früchte, jenem Blumen aus;
Der Jüngling und der Greis am Stabe:
Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
Auszüge aus dem Sächsischen Realienbuch Nr. 164 Neubearbeitung von Oskar Ostermai, Schuldirektor in Dresden

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